____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Infinite-Monkey-Theorem
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Das Infinite-Monkey-Theorem (englisch infinite âunendlichâ, monkey âAffeâ und theorem âLehrsatzâ), auch deutsch Theorem der endlos tippenden Affen, besagt, dass ein Affe, der unendlich lange zufĂ€llig auf einer Schreibmaschine herumtippt, fast sicher irgendwann alle BĂŒcher in der BibliothĂšque nationale de France, der Nationalbibliothek Frankreichs, schreiben wird. In englischsprachigen LĂ€ndern heiĂt es, dass so irgendwann die Werke William Shakespeares entstehen werden.
Eine von mehreren Varianten des Theorems geht von einer unendlichen Anzahl von Affen aus, die gleichzeitig auf Schreibmaschinen herumtippen, und behauptet, dass mindestens einer von ihnen direkt und ohne Fehler die oben genannten Werke eintippen wird.
Die Formulierung des Theorems soll verblĂŒffen und bedient sich daher einer bildlichen Sprache. Das Theorem ist wissenschaftlichen Ursprungs und hat einen mathematisch fundierten Hintergrund. Es verdeutlicht in Form eines Beispiels eine Aussage der Wahrscheinlichkeitstheorie, das Lemma von Borel und Cantelli. Das aus dem Theorem resultierende Gedankenexperiment kann bei der Vorstellung von Unendlichkeit und der Einordnung von Wahrscheinlichkeiten nĂŒtzlich sein und wird auch zu diesen Zwecken gebraucht.
Die Motive âunendlich viele Affen an Schreibmaschinenâ, âein ewig auf einer Schreibmaschine tippender Affeâ sowie âzufĂ€llige Entstehung sinnvoller Texteâ fanden in Literatur und Popkultur Anklang und wurden vielfach benutzt.
Contents
âą Literatur
âą Weblinks
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Mathematische Behandlung
Das Theorem ist mit Hilfe einfacher Mittel der Wahrscheinlichkeitsrechnung anschaulich zu beweisen. Es folgt eine vereinfachte Darstellung:
Eine Schreibmaschine habe 50 Tasten. Es sei nun vorausgesetzt, dass ein Affe, der willkĂŒrlich auf der Tastatur tippt, jede der 50 Tasten mit der gleichen Wahrscheinlichkeit drĂŒckt, dass also keine Taste systematisch bevorzugt oder vernachlĂ€ssigt wird. Die Wahrscheinlichkeit fĂŒr das Tippen einer bestimmten Taste betrĂ€gt dann jeweils 1/50. AuĂerdem seien die TastendrĂŒcke unabhĂ€ngig voneinander. Das bedeutet (etwas vereinfacht), dass die Wahrscheinlichkeit fĂŒr das DrĂŒcken einer Taste beim zweiten Anschlag wieder 1/50 ist, egal welche Taste zuvor gedrĂŒckt wurde. FĂŒr unabhĂ€ngige Ereignisse ist die Wahrscheinlichkeit, dass beide gleichzeitig eintreten, gleich dem Produkt aus den Wahrscheinlichkeiten fĂŒr das Eintreffen der Einzelereignisse.
Das Ereignis A bestehe nun darin, dass ein Affe bei sechsmaligem zufĂ€lligem Tippen das Wort âhamletâ eintippt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der erste getippte Buchstabe ein âhâ ist, betrĂ€gt 1/50; ebenso die Wahrscheinlichkeit, dass der nĂ€chste Buchstabe ein âaâ ist. Somit ist die Wahrscheinlichkeit fĂŒr die Buchstabenfolge âhaâ gleich 1/50 · 1/50 (=1/2500). Die Wahrscheinlichkeit p 1 {\displaystyle p_{1}} des Ereignisses A, mit den ersten sechs Eingaben die Buchstabenfolge âhamletâ zu erhalten, ist also p 1 = 1 / 50 6 . {\displaystyle p_{1}=1/50^{6}.} Das komplementĂ€re Ereignis (Gegenereignis) A ÂŻ ÂŻ {\displaystyle {\bar {A}}} besteht nun darin, dass bei einer Folge von sechs Buchstaben nicht das Wort âhamletâ geschrieben wird. Es hat eine Wahrscheinlichkeit von p ÂŻ ÂŻ 1 = 1 â â p 1 = 1 â â 1 / 50 6 {\displaystyle {\bar {p}}_{1}=1-p_{1}=1-1/50^{6}} .
Deshalb hat das Ereignis, dass bei zwei Versuchen mit jeweils sechs Buchstaben in keinem der beiden das Wort âhamletâ geschrieben wird, eine Wahrscheinlichkeit von
p ÂŻ ÂŻ 2 = p ÂŻ ÂŻ 1 â
â
p ÂŻ ÂŻ 1 = ( 1 â â 1 50 6 ) 2 {\displaystyle {\bar {p}}_{2}={\bar {p}}_{1}\cdot {\bar {p}}_{1}=\left(1-{\frac {1}{50^{6}}}\right)^{2}}
und das Ereignis, dass bei n Versuchen mit jeweils sechs Buchstaben in keinem das Wort âhamletâ geschrieben wird, hat die Wahrscheinlichkeit
p ÂŻ ÂŻ n = ( 1 â â 1 50 6 ) n . {\displaystyle {\bar {p}}_{n}=\left(1-{\frac {1}{50^{6}}}\right)^{n}.}
Die Folge ( p ÂŻ ÂŻ n ) {\displaystyle ({\bar {p}}_{n})} dieser Wahrscheinlichkeiten strebt mit wachsendem n gegen 0. Also strebt die Folge der Wahrscheinlichkeiten ( p n ) = ( 1 â â p ÂŻ ÂŻ n ) {\displaystyle (p_{n})=(1-{\bar {p}}_{n})} , bei n Versuchen mit jeweils sechs Buchstaben mindestens einmal âhamletâ zu tippen, gegen 1. Das wiederum bedeutet, dass ein Affe mit zunehmender Anzahl von Versuchen mit gegen 1 strebender Wahrscheinlichkeit das Wort âhamletâ tippen wird.
Mit diesen Formeln kann man auch Aussagen ĂŒber die erforderliche Anzahl von Versuchen treffen, mit denen der Affe mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit Erfolg haben wird. Um z. B. mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 10 Prozent mindestens einmal âhamletâ getippt zu haben, muss n aus der Ungleichung p n â„ â„ 0 , 10 {\displaystyle p_{n}\geq 0{,}10} bestimmt werden. Es muss also gelten
1 â â ( 1 â â 1 50 6 ) n â„ â„ 0 , 10 {\displaystyle 1-\left(1-{\frac {1}{50^{6}}}\right)^{n}\geq 0{,}10}
bzw. umgestellt
( 1 â â 1 50 6 ) n ††1 â â 0 , 10. {\displaystyle \left(1-{\frac {1}{50^{6}}}\right)^{n}\leq 1-0{,}10.}
Durch Logarithmieren (das ist erlaubt, da alle vorkommenden Werte positiv sind) erhÀlt man die Bedingung
n â
â
ln ⥠⥠( 1 â â 1 50 6 ) ††ln ⥠⥠0 , 90 {\displaystyle n\cdot \ln \left(1-{\frac {1}{50^{6}}}\right)\leq \ln 0{,}90}
und nach Division durch ln (1 â 1/506) (dabei kehrt sich das Ungleichheitszeichen um, da dieser Ausdruck negativ ist).
n â„ â„ ln ⥠⥠0 , 90 ln ⥠⥠( 1 â â 1 50 6 ) {\displaystyle n\geq {\frac {\ln 0{,}90}{\ln \left(1-{\frac {1}{50^{6}}}\right)}}} .
Daraus folgt n â„ â„ 1.646.257.350 {\displaystyle n\geq 1.646.257.350} , also werden ca. 1,6 Milliarden Versuche benötigt. Und wenn das gewĂŒnschte Resultat mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 90 Prozent eintreten soll, mĂŒssen mindestens
n â„ â„ ln ⥠⥠0 , 10 ln ⥠⥠( 1 â â 1 50 6 ) {\displaystyle n\geq {\frac {\ln 0{,}10}{\ln \left(1-{\frac {1}{50^{6}}}\right)}}}
d. h. n â„ â„ 35.977.876.618 {\displaystyle n\geq 35.977.876.618} Versuche durchgefĂŒhrt werden.
Weiterhin kann man nun bestimmen, wie viele AnschlĂ€ge gemacht werden mĂŒssen, um das gewĂŒnschte Resultat mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit zu erzielen. Dazu wird vorausgesetzt, dass nach den ersten sechs AnschlĂ€gen der zweite Versuch gleich mit dem zweiten Buchstaben beginnt, so dass nur noch ein weiterer Anschlag gemacht werden muss. Dann braucht der Affe fĂŒr zwei Versuche nur sieben AnschlĂ€ge, fĂŒr drei Versuche acht AnschlĂ€ge und allgemein fĂŒr n Versuche n + 5 AnschlĂ€ge. Um also mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 90 Prozent erfolgreich zu sein, muss er mindestens 35.977.876.618 + 5 AnschlĂ€ge machen. Bei einer Geschwindigkeit von einem Anschlag pro Sekunde wĂ€ren das etwa 1140 Jahre, dann hĂ€tte er mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent mindestens einmal das Wort âhamletâ getippt.
Die obigen Ăberlegungen kann man leicht verallgemeinern und erhĂ€lt folgende Formel:
FĂŒr die minimale Anzahl n von Versuchen, um auf einer Schreibmaschine mit t Tasten mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens q Prozent eine Buchstabengruppe (in einer bestimmten Reihenfolge) der LĂ€nge m zu erhalten, gilt
n â„ â„ ln ⥠⥠( 1 â â q 100 ) ln ⥠⥠( 1 â â 1 t m ) . {\displaystyle n\geq {\frac {\ln \left(1-{\frac {q}{100}}\right)}{\ln \left(1-{\frac {1}{t^{m}}}\right)}}.}
Der oben erfolgte Gedankengang lĂ€sst sich auch auf die Variante der Fragestellung ĂŒbertragen, wieso mit Sicherheit mindestens einer von unendlich vielen Affen den Text auf Anhieb korrekt eintippen wird. Zur Einfachheit habe der Text wiederum eine LĂ€nge von 6 Buchstaben. In diesem Fall ist p ÂŻ ÂŻ n {\displaystyle {\bar {p}}_{n}} nun die Wahrscheinlichkeit fĂŒr das Ereignis, dass keiner der ersten n Affen das Wort âhamletâ beim ersten Versuch korrekt tippt. Diese Wahrscheinlichkeit strebt ebenfalls gegen null, so dass die Wahrscheinlichkeit dafĂŒr, dass mindestens einer der Affen den gewĂŒnschten Text beim ersten Male eintippt (also das Gegenereignis), gegen Eins strebt.
Zur VollstĂ€ndigkeit sei erwĂ€hnt: Die Auswahl der Zeichen der gewĂŒnschten Folge (hier âhamletâ) ist fĂŒr diesen Sachverhalt unbedeutend. Ebenso spielt die LĂ€nge der Zeichenfolge (hier sechs) keine Rolle: Bei einer lĂ€ngeren Zeichenfolge ist die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses (A) zwar geringer, die AnnĂ€herung somit langsamer, aber dennoch geschieht die beschriebene AnnĂ€herung. SchlieĂlich setzt das Gedankenexperiment zur DurchfĂŒhrung des Zufallsexperimentes als Stilmittel einen symbolischen Affen ein, der den Zufallscharakter reprĂ€sentiert. Weiterhin setzt es die groĂe symbolische LĂ€nge der genannten Werke ein, um den verblĂŒffenden Effekt auf den Betrachter zu unterstreichen; wie bereits beschrieben ist die LĂ€nge der gewĂŒnschten Zeichenfolge fĂŒr die statistische AnnĂ€herung an das sichere Ereignis nicht von Bedeutung.
Anmerkungen zum Gedankenexperiment
Die hier erfolgte BeweisfĂŒhrung des Theorems zur Veranschaulichung bedient sich Vereinfachungen, die im Gedankenexperiment nĂŒtzlich, jedoch mathematisch gesehen nicht zwangslĂ€ufig notwendig sind.
Es wurde neben der UnabhĂ€ngigkeit der einzelnen AnschlĂ€ge von einer Gleichverteilung der HĂ€ufigkeiten der Zeichen in der Buchstabenfolge ausgegangen. Diese Bedingung vereinfacht die symbolische Berechnung und das VerstĂ€ndnis, ist aber keine notwendige Voraussetzung. Die Schlussfolgerung bleibt auch richtig, wenn man neben der UnabhĂ€ngigkeit der TastenanschlĂ€ge auch fordert, dass die Wahrscheinlichkeit fĂŒr das Auftauchen eines jeden Buchstabens bei jedem Anschlag gleichmĂ€Ăig durch eine strikt positive Konstante von unten beschrĂ€nkt ist.
Die GröĂenordnung einiger Wahrscheinlichkeiten
Wenn man der Einfachheit halber von GroĂbuchstaben, Umlauten, Satzzeichen und Leerzeichen absieht und annimmt, dass die Buchstaben einer diskreten Gleichverteilung folgen (also gleicher Wahrscheinlichkeit fĂŒr jeden Buchstaben), dann besteht fĂŒr einen einzigen Affen bei einem einzigen Versuch eine Wahrscheinlichkeit von 1/26, dass er den ersten Buchstaben des Dramas Hamlet korrekt tippt. Die Wahrscheinlichkeit bei einem einzigen Versuch die ersten beiden Buchstaben korrekt zu tippen ist:
1 26 â
â
1 26 = 1 676 {\displaystyle {\frac {1}{26}}\cdot {\frac {1}{26}}={\frac {1}{676}}} ,
Die Wahrscheinlichkeit fĂŒr das betrachtete Ereignis sinkt exponentiell, sie betrĂ€gt bei 20 Buchstaben nur noch:
1 26 20 {\displaystyle {\frac {1}{26^{20}}}} = 1 19 928 148 895 209 409 152 340 197 376 {\displaystyle {\frac {1}{19\,928\,148\,895\,209\,409\,152\,340\,197\,376}}}
Das entspricht in etwa der Wahrscheinlichkeit, mit vier Lotto-Scheinen bei vier Ziehungen in Folge jedes Mal den Jackpot mit sechs Richtigen zu gewinnen. Im Fall des gesamten Hamlet-Textes ist die Wahrscheinlichkeit so gering, dass sie sich in menschlichen Begriffen kaum mehr fassen lĂ€sst. Der Text des Hamlet umfasst bei VernachlĂ€ssigung der gesamten Interpunktion mehr als 130 000 Buchstabencite-ref-1[1] â die Wahrscheinlichkeit im idealisierten Falle wĂ€re also:
1 26 130 000 {\displaystyle {\frac {1}{{26}^{130\,000}}}} , was ungefĂ€hr 1 3 , 4 â
â
10 183 946 {\displaystyle {\frac {1}{3{,}4\cdot {10}^{183\,946}}}} entspricht.
Selbst wenn das gesamte sichtbare Universum mit Affen von der GröĂe von Atomen gefĂŒllt wĂ€re und diese bis ans Ende des Universums tippen wĂŒrden, wĂ€re die Wahrscheinlichkeit, den Hamlet zu erhalten, viele GröĂenordnungen kleiner als 10â138 800. Wie Charles Kittel und Herbert Kroemer festhalten, ist daher âdie Wahrscheinlichkeit fĂŒr Hamlet in jedem denkbaren Fall gleich Nullâ, und die Aussage, dass die Affen ihr Ziel irgendwann erreichen werden, âgibt einen falschen Eindruck ĂŒber sehr, sehr groĂe Zahlenâ. Dies fĂŒhren sie in ihrem Buch ĂŒber Thermodynamik aus, deren statistische Grundlagen zu den ersten ErwĂ€hnungen der tippenden Affen fĂŒhrte.cite-ref-kk-2-0[2]
In Modellrechnungen zeigt sich, dass selbst fĂŒr kurze Phrasen die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Erzeugung extrem gering ist; fĂŒr lĂ€ngere Texte, wie die Werke von Shakespeare, sind die Chancen derart klein, dass sie selbst bei maximaler Lebensspanne des Universums praktisch null sind.cite-ref-woodcock-falletta-2024-3-0[3]
Ein formaler Beweis
Die Tatsache, dass es eine gewisse â wenn auch sehr kleine â positive Wahrscheinlichkeit fĂŒr das zufĂ€llige Schreiben aller Werke Shakespeares gibt, ist der SchlĂŒssel zum Beweis des Infinite-Monkey-Theorems: Bereits aus dem Null-Eins-Gesetz von Kolmogorow und Borel folgt, dass der Limes superior einer unendlichen Folge von unabhĂ€ngigen Ereignissen eine Wahrscheinlichkeit entweder von eins oder von null haben muss. Ăbersetzt bedeutet das: Entweder treten unendlich viele dieser Ereignisse fast sicher (also mit Wahrscheinlichkeit eins) oder fast nie (entsprechend der Wahrscheinlichkeit null) ein.
Obwohl das Infinite-Monkey-Theorem keinen formalen Charakter hat, lĂ€sst sich â fĂŒr Zeichenketten im Allgemeinen â eine formale Aussage ableiten:
âą Die Wahrscheinlichkeit, dass in einer zufĂ€lligen Zeichenfolge unendlicher LĂ€nge eine beliebige endliche Zeichenfolge mindestens einmal auftaucht, ist 1. Und nicht nur das: Sie tritt sogar fast sicher unendlich oft auf. Ein Affe wĂŒrde also bereits genĂŒgen, um in unendlich langer Zeit sĂ€mtliche Werke Shakespeares unendlich oft zu schreiben.
Diese Aussage folgt relativ leicht aus dem Borel-Cantelli-Lemma. Unterteilt man die zufĂ€llige Zeichenfolge unendlicher LĂ€nge willkĂŒrlich in Blöcke von der LĂ€nge der betrachteten Zeichenfolge endlicher LĂ€nge, so besitzt das Eintreten jedes Einzelereignisses aus der Folge der (zufĂ€lligen, unabhĂ€ngigen) Ereignisse ( A n ) n â â N {\displaystyle (A_{n})_{n\in \mathbb {N} }} dieselbe positive Wahrscheinlichkeit. Die Summe ĂŒber die unendlich vielen konstanten Summanden P ( A n ) {\displaystyle P(A_{n})} ist unendlich.
Das Borel-Cantelli-Lemma sagt dann aus: Ist die Summe der Wahrscheinlichkeiten der A n {\displaystyle A_{n}} unendlich und sind die Ereignisse A n {\displaystyle A_{n}} unabhÀngig, so ist die Wahrscheinlichkeit des Limes superior der A n {\displaystyle A_{n}} gleich 1.
Formal ausgedrĂŒckt: ( A n ) n â â N unabhĂ€ngig und â â n = 1 â â P ( A n ) = â â â â P ( lim sup A n ) = 1 {\displaystyle (A_{n})_{n\in \mathbb {N} }{\text{ unabhĂ€ngig und }}\sum _{n=1}^{\infty }P(A_{n})=\infty \Rightarrow P(\limsup A_{n})=1}
Der Gedanke, dass bei Betrachtung von unendlichen ZeitrÀumen ein derart unwahrscheinliches Ereignis mit Sicherheit eintritt, dient hier also zur Veranschaulichung von Unendlichkeit.
Ursprung und Rezeption in der Literatur
Der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges verfolgt den Ursprung des Gedankenexperimentes in seinem Text âDie vollstĂ€ndige Bibliothekâ (spanischer Titel La biblioteca total) bis in die Antike zurĂŒck und schildert folgenden Verlauf: Aristoteles habe in seinem Werk Metaphysik bei der Darstellung der Anschauungen des Leukipp, welcher (mit seinem SchĂŒler Demokrit) als BegrĂŒnder des Atomismus gilt, geschrieben, dass die Atome untereinander gleich seien und nur durch ihre Anordnung verschiedene Objekte bilden könnten. Er habe das mit der Art verglichen, wie Tragödie und Komödie sich aus den gleichen âAtomenâ, den Schriftzeichen, zusammensetzten. Drei Jahrhunderte spĂ€ter habe sich Cicero in seinem Werk De natura deorum (âVom Wesen der Götterâ) spottend auf die atomistische Weltanschauung bezogen:
âWer dies fĂŒr möglich hĂ€lt, wird ebenfalls glauben mĂŒssen, dass, wenn unzĂ€hlige Buchstaben aus Gold, jeder einen Buchstaben der einundzwanzig des Alphabetes stellvertretend, gemeinsam auf den Boden geworfen wĂŒrden, sie die Annalen des Ennius in lesbarer Form bilden könnten. Ich bezweifle die Möglichkeit, dass Zufall einen einzigen lesbaren Vers erschaffen kann.â
â
Cicero
:
De natura deorum
II, 37 (§ 93)
Borges folgt dem Werdegang dieses Argumentes ĂŒber Blaise Pascal und Jonathan Swift bis in seine Zeit und bemerkt, dass die Aussage sich gewandelt habe; im Jahr 1939 lautete der Ausspruch ihm zufolge: âEin halbes Dutzend Affen mit Schreibmaschinen wĂŒrden, in einigen Unendlichkeiten, alle BĂŒcher des britischen Museums verfassen.â Borges fĂŒgt an dieser Stelle korrigierend hinzu, dass bereits ein unsterblicher Affe ausreichen wĂŒrde.
Es werden in Borgesâ Text spĂ€ter einige Beispiele angefĂŒhrt, um den Inhalt der Total Library vorstellbar zu machen: Sie enthielte alles (âEverything would be in its blind volumesâ), so beispielsweise die detaillierte Geschichte der Zukunft (âdetailed history of the futureâ), seine eigenen TrĂ€ume und HalbtrĂ€ume gegen Morgen des 14. Augustes 1934 (âdreams and half-dreams at dawn on August 14, 1934â), den Beweis von Fermats letztem Satz (âproof of Pierre Fermatâs theoremâ) usw. Er schreibt daraufhin, dass aber neben jedem einzelnen Faktum Millionen Zeilen voller Unsinn stĂ€nden (âbut for every sensible line or accurate fact there would be millions of meaningless cacophonies, verbal farragoes, and babblingsâ). Borges schlieĂt daraus, dass alle Generationen der Menschheit vergehen wĂŒrden, bevor die Regale der totalen Bibliothek sie je mit einer ertrĂ€glichen Seite belohnten (âbut all the generations of mankind could pass before the dizzying shelves â shelves that obliterate the day and on which chaos lies â ever reward them with a tolerable pageâ).cite-ref-5[5]
In der ErzÀhlung mit dem spanischen Titel La biblioteca de Babel (Die Bibliothek von Babel) verfolgt Borges das Thema der unendlichen Bibliothek weiter und verwendet wiederum die literarisch sowie wissenschaftlich relevanten Themen Unendlichkeit, RealitÀt und KausalitÀt.cite-ref-6[6]
Es finden sich an einigen Stellen Verweise auf den englischen Biologen Thomas Henry Huxley (1825â1895).cite-ref-7[7]cite-ref-8[8] Sieben Monate nach der Publikation von Darwins The Origin of Species im November 1859 fĂŒhrte Huxley beim Treffen der British Association for the Advancement of Science in Oxford am 30. Juni 1860 einen berĂŒhmten Disput mit Samuel Wilberforce, dem anglikanischen Bischof von Oxford und VizeprĂ€sidenten dieser Gelehrtenorganisation. Bei diesem Disput soll Huxley den folgenden Ausspruch getĂ€tigt haben:
âSix eternal apes, randomly striking the keys of six eternal typewriters with unlimited amounts of paper and ink would be able to produce Shakespearean sonnets, complete books, and the 23rd Psalm. In the same way, molecular movement, given enough time and matter, could produce Bishop Wilberforce himself, purely by chance and without the work of any Designer or Creator.â
âSechs ewige Affen, die Tasten sechs ewiger Schreibmaschinen mit unbegrenzter Menge an Papier und Tinte zufĂ€llig anschlagend, wĂ€ren fĂ€hig, shakespearesche Sonette, vollstĂ€ndige BĂŒcher und den 23. Psalm hervorzubringen. Auf die gleiche Weise könnte molekulare Bewegung, genĂŒgend Zeit und Materie vorausgesetzt, Bischof Wilberforce selbst hervorbringen, rein durch Zufall und ohne das Werk irgendeines Gestalters oder Schöpfers.â
Es ist umstritten, ob Huxley dieses tatsĂ€chlich gesagt hat. Einige Autoren nehmen an, dass der Ausspruch Huxley erst spĂ€ter zugesprochen wurde,cite-ref-9[9] unter anderem weil der erwĂ€hnte typewriter (Schreibmaschine) erst spĂ€ter Verbreitung fand und daher nicht von Huxley fĂŒr einen plakativen Vergleich herangezogen werden konnte:
âThe story [âŠ] is doubtless fictitious since the Huxley-Wilberforce debate of 1860 antedated the emergence of the typewriter.â
âDie Geschichte [âŠ] ist zweifellos erdichtet, weil die Huxley-Wilberforce-Debatte von 1860 dem Auftreten der Schreibmaschine vorausging.â
â
Nicholas Rescher
:
Studies in Cognitive Finitude
; Transaction Pub (2006)
Das moderne Bild des Theorems der unendlich vielen Affen findet sich im Artikel MĂ©canique Statistique et IrrĂ©versibilitĂ© von Ămile Borel aus dem Jahr 1913.cite-ref-10[10] Seine Affen reprĂ€sentieren als lebendiges Bild die Herstellung einer groĂen, zufĂ€lligen Zeichenfolge fĂŒr die Darstellung der Statistik.
Der Physiker Arthur Eddington schrieb den folgenden Satz, der verdeutlicht, dass sich in vielen Bereichen der Wissenschaft Anspielungen auf das Gedankenexperiment finden:
âWenn ich meine Finger absichtslos ĂŒber die Tasten einer Schreibmaschine gleiten lasse, kann es passieren, dass im so entstehenden WĂ€lzer ein lesbarer Satz vorkommt. Wenn eine Armee von Affen auf ihre Schreibmaschinen einklimpert, dann können sie alle im British Museum enthaltenen BĂŒcher schreiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dies tun, liegt deutlich höher als die Wahrscheinlichkeit, dass sich in einem BehĂ€lter alle MolekĂŒle in einer HĂ€lfte sammeln.â
â
Arthur Eddington
:
The Nature of the Physical World: The Gifford Lectures
; Macmillan, New York, 1928, S. 72 (frei zitiert nach Ăbersetzung aus dem Englischen)
Es handelt sich im letzten Satz um eine Anspielung auf den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik: Das genannte Sammeln aller MolekĂŒle in einem BehĂ€lter ist nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit (Mathematik) möglich, jedoch nach dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik (Physik) in einem abgeschlossenen System, wie einem BehĂ€lter, nicht (abgesehen von mikroskopischen Systemen).
BezĂŒge zum Theorem
BezĂŒge zu Bereichen der Wissenschaft, BeschrĂ€nkung der Aussage
Mathematik und Unendlichkeit
Der SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis der Schlussfolgerungen ist der (etwas schwierig zu verstehende) Begriff der Unendlichkeit in der Mathematik.
Anschaulich betrachtet kann ein Affe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jeden beliebigen Text, der jemals geschrieben wurde oder auch in der Zukunft jemals geschrieben werden wird, tippen, wenn er nur unendlich viel Zeit zur VerfĂŒgung gestellt bekommt; diese bildliche Schlussfolgerung erlaubt die Mathematik (Kolmogorow und Borel-Cantelli).
Auf den ersten Blick rĂ€umt diese Symbolik die Möglichkeit ein, dass der Affe jedes vorhandene oder jemals noch bekannt werdende Wissen der Welt niederschreiben wird. Doch die zufĂ€llig entstehenden sinnvollen Texte entstehen gemeinsam mit einer unverhĂ€ltnismĂ€Ăig höheren (unendlichen) Anzahl nicht sinnvoller Texte. Die Affen wĂŒrden einen betrachteten Text gemeinsam mit unendlich vielen Versionen mit jeweils allen denkbaren orthographischen oder inhaltlichen Fehlern niederschreiben â es ist also nicht möglich, die sinnvolle von den nicht sinnvollen Varianten zu unterscheiden, ohne dass die korrekte Fassung bereits vorliegt.
Es lÀsst sich hier ein Bezug der Symbolik zum Begriff der Entropie in der Informationstheorie erkennen, wo mit mathematischen Mitteln der Wahrscheinlichkeit der Informationsgehalt einer Nachricht im Gegensatz zu zufÀlligen Zeichenketten abgegrenzt wird.
Die BeschrĂ€nkung der Symbolik des Theorems lĂ€sst sich oberflĂ€chlich auch mit der Aussage des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik in der Physik vergleichen, welcher (vereinfacht) inhaltlich folgende Aussage tĂ€tigt: âDie Entropie (anschaulich Unordnung) eines geschlossenen Systems nimmt fortwĂ€hrend zu oder bleibt bestenfalls gleich, weil allein die Aufrechterhaltung eines bestimmten Ordnungszustandes von auĂen zugefĂŒhrter Energie bedarf. Die Wiederherstellung eines (oft âgeordneterâ genannten) Anfangszustandes von geringerer Entropie erfordert den Einsatz von Energie oder Information (siehe maxwellscher DĂ€mon).â
Experimente zum Theorem
Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins bezieht sich in seinem Buch Der blinde Uhrmacher auf die Idee des maschineschreibenden Affen, wobei er demonstriert, auf welche Weise das Wechselspiel von Mutation und natĂŒrlicher Auslese seine EffektivitĂ€t erreicht und von reinem Zufall, reprĂ€sentiert durch maschineschreibende Affen, zu unterscheiden ist. Sein Ziel ist es dabei, den EffektivitĂ€tsunterschied zwischen âkumulativer Ausleseâ, in der erfolgreiche Mutationsschritte beibehalten werden und Ausgangspunkt fĂŒr weitere Mutations-Selektions-Schritte sind, und âEinzelschritt-Ausleseâ, bei der alle Zwischenschritte verworfen werden und in jedem Schritt vollkommen von neuem begonnen wird, deutlich zu machen. Dawkins beschreibt dazu ein Computerprogramm, welches die Hamlet-Zeile âMETHINKS IT IS LIKE A WEASELâ produziert, um zu zeigen, inwieweit sich die kumulative Auslese von einem hypothetischen Schreibmaschine schreibenden Affen (gleichgesetzt mit der Einzelschritt-Auslese) unterscheidet.cite-ref-evolutionmonkeys-11-0[11] Dazu wird zunĂ€chst ein Zufallstext erzeugt. Dieser Text wird mit dem Hamlet-Text verglichen, wobei nur diejenigen Buchstaben in den nĂ€chsten Schritt ĂŒbernommen werden, die mit dem Hamlet-Text bereits ĂŒbereinstimmen. Die anderen Buchstaben werden erneut zufĂ€llig erstellt, der neu entstandene Text wiederum mit der Hamlet-Zeile verglichen usw. Das geschieht so lange, bis der Text mit dem Hamlet-Text ĂŒbereinstimmt. Dieser Algorithmus mit kumulativer Auslese erweist sich als sehr viel effizienter, das heiĂt, es werden sehr viel weniger Schritte benötigt, als es mit âEinzelschritt-Ausleseâ der Fall wĂ€re. Dawkins selbst weist in seinem Buch darauf hin, dass mit diesem Gedankenexperiment nur ein Teilaspekt der Evolution, die EffektivitĂ€t der kumulativen Auslese, demonstriert werden soll und nicht die biologische Evolution selbst, da diese nicht auf ein speziell vorgegebenes Ziel hin ausgerichtet ist.
Im Jahr 2003 berichteten Wissenschaftler und Studenten des Zoos von Paignton und der University of Plymouth in Devon in England, dass sie einen Monat lang eine Computertastatur in einem KĂ€fig mit sechs Makaken platziert hatten: Die Affen hatten nichts Sinnvolles zustande gebracht: lediglich fĂŒnf Seiten, wobei die Texte hauptsĂ€chlich aus dem Buchstaben S bestanden. Die Affen hatten auĂerdem mit einem Stein auf die Tastatur eingeschlagen und sich ĂŒber der Tastatur entleert. Das âExperimentâ hatte keinen wissenschaftlichen Charakter und war als performance (kĂŒnstlerische Darbietung) konzipiert.cite-ref-zoomonkeys-12-0[12]
Allen Experimenten zum Theorem ist gemeinsam, dass sie mit empirischen Einzelexperimenten, also Stichproben, arbeiten. Es ist nicht möglich, aus Einzelexperimenten begrenzter Dauer bzw. Affenzahl, also endlich vielen Stichproben, eine gĂŒltige Schlussfolgerung bezĂŒglich einer unendlichen Grundgesamtheit zu beziehen; es mĂŒsste dazu eine gleichfalls unendliche Stichprobe zugrunde gelegt werden. Daher muss bei der Betrachtung des Infinite-Monkey-Theorems beachtet werden, dass eine empirische Beweisbarkeit ausgeschlossen ist.
BezĂŒge zum Theorem aus Kunst und Alltagskultur
Abgesehen von den bereits im Abschnitt Ursprung des Theorems und historischer Abriss in Literatur aufgefĂŒhrten Texten zum Thema gab es zahlreiche Anspielungen und kĂŒnstlerische Einarbeitungen der Motive um das Theorem in Literatur, Fernsehen und Computerkultur:
Literatur und andere Texte
Jonathan Swift lÀsst Gulliver im Lande Liliput den schreibenden Affen begegnen.
In einem StĂŒck des britischen Dramatikers Tom Stoppard mit dem Titel âRosencrantz & Guildenstern are Deadâ, das die Geschichte des Hamlet aus einer anderen Perspektive wiedergibt, sagt eine Figur: âWenn eine Million Affen âŠâ und kann dann nicht weitersprechen â möglicherweise, weil sie selbst Teil des Shakespearschen Universums ist und durch Aussprache des Theorems ihre eigene FiktionalitĂ€t erklĂ€rte. Der Satz endet mit einem anderen Thema. Im gleichnamigen Film ist diese Szene nicht vorhanden. Hier ist lediglich von sechs Affen die Rede, die in die Luft geworfen werden und mit gleicher Wahrscheinlichkeit auf ihren Hintern oder Köpfen landen.
Im dystopischen Roman On the Beach (âDas letzte Uferâ; 5. Kapitel) von Nevil Shute empfangen einige Ăberlebende eines Atomkriegs in Australien weitgehend unverstĂ€ndliche Funksignale aus der NĂ€he von Seattle, USA. In etwa 106 Stunden Sendezeit wurden nur zwei verstĂ€ndliche Klartext-Worte empfangen, was ein Admiral mit den Worten kommentiert: âI donât think the words can be significant. Itâs probably a fortuitous transmission. After all, if an infinite number of monkeys start playing with an infinite number of typewriters, one of them will write a play of Shakespeareâ (âIch glaube nicht, dass die Worte Bedeutung haben könnten. Das ist wahrscheinlich eine zufĂ€llige Ăbertragung. Wenn eine unendliche Anzahl von Affen an einer unendlichen Anzahl von Schreibmaschinen zu spielen beginnt, wird schlieĂlich einer von ihnen ein TheaterstĂŒck von Shakespeare schreiben.â). TatsĂ€chlich ergeben Nachforschungen, dass keine menschliche Absicht hinter den FunksignalĂŒbertragungen steckte.cite-ref-13[13]
Im Buch Per Anhalter durch die Galaxis des englischen Schriftstellers Douglas Adams werden die beiden Hauptfiguren âArthur Dentâ und âFord Prefectâ bei einem Unwahrscheinlichkeitsfaktor von 1 zu 2 267709 {\displaystyle 2^{267709}} ihres âUnwahrscheinlichkeitsantriebesâ von einer unendlichen Horde Affen ĂŒberfallen, die mit ihnen ĂŒber ein Hamlet-Drehbuch diskutieren wollen.cite-ref-14[14]
Im Buch Fool on the hill von Matt Ruff verfĂŒgt âMr. Sunshineâ ĂŒber einen Saal voller Affen, die an Schreibmaschinen sitzen und Geschichten produzieren.
In der Unendlichen Geschichte von Michael Ende mĂŒssen die Menschen einer Stadt, die aus âPhantĂĄsienâ nicht wieder heimfinden, als eine Art BeschĂ€ftigungstherapie zufĂ€llige Buchstabenkombinationen erstellen, wie der StadtfĂŒhrer â ein Affe â erklĂ€rt; der Sinn liegt darin, dass so in unendlicher Zeit alle Geschichten entstehen. Ende weist dabei ausdrĂŒcklich darauf hin, dass auch die Unendliche Geschichte darunter sein wird.
In einer Kurzgeschichte des Science-Fiction- und Fantasyschriftstellers R. A. Lafferty namens Been a Long, Long Time wird ein Engel damit bestraft, dass er die gesamte Textproduktion von Affen an Schreibmaschinen lesen muss, bis die Affen eines Tages in ferner Zeit eine perfekte Kopie der Werke Shakespeares erstellen.
In einem Dilbert-Comic zeigt Dilbert Dogbert ein eigenes Gedicht. Dogbert sagt, dass er einmal gehört habe, dass tausend Affen mit unendlich viel Zeit alle Werke Shakespeares schreiben könnten. Dilbert fragt verwirrt, was denn nun mit seinem Gedicht sei, Dogbert versetzt: âDrei Affen, zehn Minuten.âcite-ref-15[15]
Fernsehen
In der Folge âLast Exit to Springfieldâ (deutscher Titel: Prinzessin von Zahnstein) der Zeichentrickserie Die Simpsons (Staffel 4, Folge 17) lĂ€sst Mister Burns ein StĂŒck in einem riesigen Raum voll von Affen auf Schreibmaschinen schreiben. Burns zieht das Blatt eines Affen aus der Schreibmaschine und liest laut vor: âNein, oh na na nicht nein. Das ist hier die Plage.â
In der Folge âBattle of the Sexistsâ (deutscher Titel: Schlacht der Sexisten) der Serie Die wilden 70er (Staffel 1, Folge 4) ruft Eric Forman seiner Freundin Donna Pinciotti folgendes zu, nachdem diese einen Korb beim Basketball erzielt hat: âPinciotti actually scores! Hell freezes over! A monkey types Hamlet!â (Pinciotti wirft einen Korb! Die Hölle gefriert! Ein Affe schreibt Hamlet!)
In âThe King is Deadâ (deutscher Titel: Der König ist tot), der siebten Folge der zweiten Staffel der amerikanischen Zeichentrickserie Family Guy, antwortet Peter Griffin herablassend auf Lois Griffins KunstverstĂ€ndnis, indem er sich auf das Infinite-Monkey-Theorem bezieht: âArt-schmart. Put enough monkeys in a room with a typewriter theyâll produce Shakespeare.â (Von wegen Kunst. Steck genug Affen in einen Raum mit einer Schreibmaschine und sie schreiben Shakespeare.)cite-ref-16[16]
Die US-amerikanische Comedyshow The Colbert Report enthielt eine Rubrik, in der es darum ging, wie viele Affen man fĂŒr verschiedene Werke der Kunst benötigen wĂŒrde. Colbert zufolge benötigte man eine Million Affen, die bis zur Unendlichkeit schreiben, um die Werke Shakespeares zu erstellen, zehntausend Alkohol trinkende Affen, die zehntausend Jahre schreiben, um Hemingways Werke zu erstellen, und zehn Affen, die drei Tage tippen, um die Werke Dan Browns zu erhalten.
Computerkultur
Im Jahr 2000 hat das IETF-Internet-Standard-Komitee ein als Aprilscherz konzipiertes RFC zum Thema Infinite Monkey Protocol Suite (IMPS) herausgegeben: eine Sammlung von fiktiven Protokollen und Methoden in technischer Sprache, die bei der Ăberwachung und Koordination einer Menge von unendlich vielen Affen an Schreibmaschinen helfen sollen. Das RFC ist unterhaltsam geschrieben und beschreibt in fĂŒr RFCs typischer Art und Weise die Logistik um die Affen und deren âProduktionâ an den Schreibmaschinen.cite-ref-rfcmonkeys-17-0[17]
Die Standardformatierung der Programmiersprache C im Editor GNU Emacs wird oft mit den folgenden Worten als âschlimmer als zufĂ€lligâ beschrieben: âAn infinite number of monkeys typing into GNU emacs would never make a good program.â
Die Internet-Plattform YouTube sendet im Falle eines internen Server-Fehlers vom Typ 500 an den Client-Rechner eine Meldung mit folgendem Inhalt: â500 Internal Server Error Sorry, something went wrong. A team of highly trained monkeys has been dispatched to deal with this situation. If you see them, show them this information:â gefolgt von einem ca. 3000 Zeichen umfassenden Textblock aus einer Base64-kodierten Zeichenkette.
BezĂŒge zum Theorem aus religiöser Sicht
Wahrscheinlichkeit und Intelligent Design
Autoren, die der kreationistischen Idee des Intelligent Design nahestehen, argumentieren mit dem Theorem, dass die Wahrscheinlichkeit fĂŒr das zufĂ€llige Entstehen von Leben extrem gering sei. Zum Beispiel nennt es Ken Wilber die âalbernen zufĂ€lligen Mutationenâ und folgert daraus, es könne ânicht Zufall sein, der die Welt antreibtâ.cite-ref-18[18] Deepak Chopra schreibt: âDie Vorstellung, dass die Schöpfung ohne Bewusstsein auskommt, ist wie die irrwitzige Idee von einem Raum voller Affen, die nach dem Zufallsprinzip Tasten anschlagen und irgendwann â nach Millionen von Jahren â vielleicht ein Werk geschaffen haben, das dem Shakespeares entspricht.âcite-ref-19[19] Hiergegen wird eingewandt, dass Evolution hauptsĂ€chlich von der nichtzufĂ€lligen Selektion bestimmt ist.cite-ref-20[20]
Literatur
âą Elmo, Gum, Heather, Holly, Mistletoe, Rowan (Makaken Monkeys from Paignton Zoo): Notes Towards the Complete Works of Shakespeare. Hrsg.: Geoff Cox. Kahve-Society, London 2002, ISBN 0-9541181-2-X (englisch, viaria.net (Memento vom 20. Januar 2013 im Internet Archive) â Text produced by monkeys from Paignton Zoo using a computer May â June 2002).
âą Herrmann, Hans-Christian von: Literatur und Entropie, Berlin 2014, ISBN 978-3-428-14012-1.
Weblinks
âą Den Affen beim Tippen von âFaustâ und âHamletâ beobachten. Medienkunst-Projekt der Gruppe J.A.C.S.
âą Alfred Schreiber VerrĂŒckte Bibliotheken. Die Zeit online, 30. Juni 2006.
âą Monkey Theory Proven Wrong. CBS News, 9. Mai 2003 (englisch)
âą Monkeys Donât Write Shakespeare. Wired-Magazin (englisch).
âą Notes Towards the Complete Works of Shakespeare. (Memento vom 20. Januar 2013 im Internet Archive) vivaria.net (englisch).
âą Parable of the Monkeys âA.k.a. The Topos of the Monkeys and the Typewritersâ. angelfire.com; Sammlung von Textverweisen zum Theorem (englisch).
Einzelnachweise und Anmerkungen
cite-note-11. â Die Fassung auf Gutenberg.org umfasst 132 680 Buchstaben und 199 749 Zeichen insgesamt
cite-note-kk-22. â Charles Kittel, Herbert Kroemer: Thermal Physics. 2. Auflage. W. H. Freeman Company, 1980, ISBN 0-7167-1088-9, S. 53 (englisch).
cite-note-woodcock-falletta-2024-33. â Woodcock, S., & Falletta, J. (2024). A numerical evaluation of the Finite Monkeys Theorem. Franklin Open, 9, 100171. https://doi.org/10.1016/j.fraope.2024.100171
cite-note-41. frei ĂŒbersetzt nach Cicero: De natura deorum II, 37 (§ 93) im lateinischen Original: â[93] Hic ego non mirer esse quemquam, qui sibi persuadeat corpora quaedam solida atque individua vi et gravitate ferri mundumque effici ornatissimum et pulcherrimum ex eorum corporum concursione fortuita? Hoc qui existimat fieri potuisse, non intellego, cur non idem putet, si innumerabiles unius et viginti formae litterarum vel aureae vel qualeslibet aliquo coiciantur, posse ex is in terram excussis annales Enni, ut deinceps legi possint, effici; quod nescio an ne in uno quidem versu possit tantum valere fortuna.â thelatinlibrary.com
cite-note-55. â Jorge Luis Borges: La biblioteca total (âThe Total Libraryâ) Trans. by Eliot Weinberger. In: Sur. No. 59, August 1939. In: Selected Non-Fictions. Penguin, 1999, ISBN 0-670-84947-2.
cite-note-66. â Jorge Luis Borges: La Biblioteca de Babel. (1941). In: Ficciones. Alianza, Madrid 1971. English translation: The Library of Babel. In: Borges: Labyrinths. Penguin, Harmondsworth 1970.
cite-note-77. â Course Algorithmic Art & A.I. (Memento vom 5. MĂ€rz 2016 im Internet Archive) des Institute of Artificial Art Amsterdam. Zitat: âBibliographic research by RenĂ© Glas, Pepijn van der Meer and Chuntug Tagubaâ
cite-note-88. â Arthur Stanley Eddington: The Nature of the Physical World: The Gifford Lectures. Macmillan, New York 1928.
cite-note-99. â Nicholas Rescher: Studies in Cognitive Finitude. Transaction Pub, 2006, ISBN 3-938793-00-7.
cite-note-1010. â Ămile Borel: MĂ©canique Statistique et IrrĂ©versibilitĂ©. In: Journal Phys., 5e sĂ©rie, Nr. 3, 1913, S. 189â196.
cite-note-evolutionmonkeys-1111. â âMethinks it is like a weaselâ, Hamlet, Act 3, Scene 2. (In der Ăbersetzung von Christoph Martin Wieland ist das die 7. Szene im 3. Akt; aus dem Wiesel wird hier eine Amsel.)
cite-note-1313. â Nevil Shute: On The Beach. Random House, 2010, S. 75; 320 Seiten, books.google.de
cite-note-1414. â âDa drauĂen sind unendlich viele Affen, die sich mit uns ĂŒber ihr Hamlet-Drehbuch unterhalten wollen.â In: Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis. Heyne, MĂŒnchen 2005, S. 86.
cite-note-1515. â Dilbert writes a poem and presents it to Dogbert: DOGBERT: I once read that given infinite time, a thousand monkeys with typewriters would eventually write the complete works of Shakespeare. DILBERT: But what about my poem? DOGBERT: Three monkeys, ten minutes.
cite-note-1616. â Family Guy â Monkeys Writing Shakespeare. youtube
cite-note-1818. â Ken Wilber: Eine kurze Geschichte des Kosmos. Fischer Taschenbuch, Frankfurt 1977, ISBN 3-596-13397-1, S. 48.
cite-note-1919. â Deepak Chopra, Leonard Mlodinow: Schöpfung oder Zufall?: Wie SpiritualitĂ€t und Physik die Welt erklĂ€ren â Ein StreitgesprĂ€ch. Arkana, MĂŒnchen 2012, ISBN 978-3-442-34106-1, S. 60.
cite-note-2020. â Richard Dawkins: Der blinde Uhrmacher: Ein neues PlĂ€doyer fĂŒr den Darwinismus. dtv, MĂŒnchen 1986, ISBN 3-423-11261-1, S. 70 ff.